Montag, 22. Oktober 2012

Basic-Aktion

Catrin vom Stoffbüro, Theresa von Königkind und Sindy von Ms. Fisher goes handmade haben eingeladen, sich Gedanken zum Thema Basics zu machen. Anlass dafür war die Beobachtung, dass selbst genähte Kleidungsstücke oft zu "besonders" sind oder jedenfalls nicht alltagstauglich, zu schlecht zu kombinieren, und schließlich nur selten getragen werden.


Mir geht es da ähnlich. Das mag daran liegen, dass ich mich beim Stoffkauf gerne ganz spontan von schönen Mustern und Farben verführen lasse, mal sicherheitshalber 1 oder 1,5 m kaufe, ohne zu wissen, was daraus mal werden soll und v.a. ohne darüber nachzudenken, wann und wozu ich das Kleidungsstück dann tragen werde. Diverse gemusterte Röcke haben so nie ein passendes Oberteil gefunden, andere Teile verstauben im Schrank, weil ich Muster oder Farbe doch zu auffällig finde... Übrigens ergeht es mir mit gekaufter Kleidung sehr ähnlich. Ist es also tatsächlich nötig, seine Garderobe zu planen? Wahrscheinlich schon - bis zu einem gewissen Grad wenigstens. Ich habe also mal beschlossen, darüber nachzudenken, was mir einerseits am besten gefällt und was ich andererseits meistens wirklich trage. Oft sehe ich - beim MMM z.B. - tolle selbst genähte Kleider und denke mir "Ich will auch!". Wie oft trage ich aber wirklich ein elegantes Kleid? 
Gerade jetzt nach der Schwangerschaft passen viele meiner alten Kleidungsstücke (noch?) nicht, und die Gelegenheit, meine Garderobe etwas umzukrempeln wäre günstig (hätte ich nur genug Zeit dazu.) Mein Plan lautet also: Ab jetzt sinnvoll nähen, also (fast) nur mehr Kleidung, die ich im Alltag brauchen kann. Das wären  in meinem Fall:
  • T-Shirts in allen Varianten
  • ein Hoodie oder eine Kapuzenjacke
  • (einfärbige) Röcke, vielleicht ein Wickelrock oder auch ein kurzer "Über-Hose-Rock", denn im Winter neige ich sehr zum Frieren
(Hosen lasse ich jetzt beiseite, denn die traue ich mir nähtechnisch nicht unbedingt zu.)

Das Basic-Teil schlechthin ist für mich eindeutig das T-Shirt! T-Shirts passen zu Hosen aller Art und ebenso zu Röcken, sie sind in allen möglichen Farben und Varianten (lange, kurze, gar keine, 3/4-Ärmel, verschiedene Ausschnitte, unterschiedliche Passformen....) denkbar, können sportlich aussehen oder sogar elegant, sind pflegeleicht, bequem und praktisch.
Trotz dieses vielen Lobs bin ich mit dem "Jeans-und-T-Shirt - Look" aber oft genug unzufrieden - einfach, weil er langweilig aussieht und wenig individuell, das tragen eben die meisten. Auch ich greife morgens, wenn es schnell gehen muss - und meistens muss es das - einfach nach einer Hose und einem T-Shirt, wenn es kühler ist, kommt noch ein Pulli oder eine Strickjacke drüber. Das sieht nicht schlecht aus, aber begeistert bin ich davon auch nicht. Ich suche also nach einer Möglichkeit, solche täglich getragenen Basic-Teile aufzuwerten und mein Outfit individueller zu gestalten.


Muster:
T-Shirts sehen weniger langweilig aus, wenn sie nicht schlicht einfärbig sind, sondern gemustert. Klar, allzu Buntes macht es wieder schwerer, das Kleidungsstück zu kombinieren, aber gerade zu Jeans oder einfärbigen Hosen oder Röcken passen Muster durchaus! Meine Favoriten sind hier Streifen oder dezente (kleine) Blümchen, Sternchen oder Pünktchen. Was das Selbernähen betrifft, finde ich es oft schwierig, schönen, gemusterten Jersey zu finden, der auch erwachsenentauglich ist. Ich bin zwar kindisch genug, um auch mal Tiere oder Früchte auf meinen T-Shirts zu tragen, aber allzu bunt und wild gemustert sollte es dann doch nicht sein :-)
Besonders reizvoll finde ich es, wenn nicht das ganze T-Shirt aus gemustertem Stoff genäht wird (das hat dann nämlich oft was von einem Pyjama), sondern nur Akzente gesetzt werden, z.B. mit einem gemusterten Brusteinsatz oder gemusterten Ärmeln. Unglaublich schön finde ich  die Oberteile von Bonnie&Buttermilk. Leider liegen die nicht gerade in der Preisklasse, die ich mir leisten kann, aber ich kann mich ja mal inspirieren lassen und versuchen, so etwas Ähnliches selbst zu nähen! :-)



Farbliche Azkente:
Bündchen - oder, dezenter, auch Nähte - in Kontrastfarben lockern ein T-Shirt auf; mir gefällt's auch, wenn z.B. mit bunten (Zier-)Knöpfen oder einem Fizzelchen Webband kleine Akzente gesetzt werden.


Raffungen:
Ich mag es sehr gerne, wenn T-Shirts nicht nur "ganz normal" geschnitten sind, sondern durch kleine Details, wie z.B. Raffungen am Ausschnitt oder Puffärmel aufgelockert sind - das macht sich v.a. bei einfärbigen Stoffen gut, finde ich.
Einen schlichten T-Shirt-Schnitt kann man übrigens ganz leicht verändern.
So mache ich es (ob das jetzt "professionell" ist, weiß ich nicht):

Dem Schnitt an der Vorderen Mitte um einige cm verbreitern. Das zugeschnittene Schnittteil kräuseln, indem man mit großem Stich entlang der Kante absteppt ohne die Fäden zu sichern. An einem Fadenende anziehen, bis sich der Stoff kräuselt und wieder die ursprüngliche Breite hat.
So wird das T-Shirt insgesamt weiter und etwas ausgestellt - soll das nicht so sein, dann einfach nur einen Keil an das Schnittmuster ansetzen.
Bei den Ärmeln geht das ganze natürlich ebenso!


Verschiedene Ausschnittvarianten/Krägen:
Bekanntlich gibt es Rundhalsausschnitte (in verschiedenen Tiefen), V-Ausschnitte, Rollkrägen, Schalkrägen, Hemdkrägen, Pololeisten, Wasserfallkrägen oder Bubikrägen u.v.a. mehr - da sollte man eigentlich recht leicht für Abwechslung sorgen können...
Toll finde ich auch diese "Fake-Knopfleiste" 


Unterteilungen/Passen:
Einfach den Schnitt an der gewünschten Stelle teilen - schön sieht es aus, wenn der untere Teil etwas verbreitert und dann gekräuselt angenäht wird. Auch das Mitfassen einer kontrastfarbigen Paspel kann ich mir gut vorstellen....

Applikationen:
Ich gebe zu, Applikationen verbinde ich eher mit Kinderkleidung als mit Kleidungsstücken für Erwachsene. Je nach Motiv und eher sparsam eingesetzt, mag ich sie aber auch für mich - im Falle des Wolkenshirts zum Beispiel.
Ich bügle bei Applikationen die Stoffteile mit Vliesofix auf und steppe dann entlang der Außenkanten noch einmal drüber - das Ganze geht auch professioneller, eine tolle Anleitung dazu gibt es hier bzw. hier bei Aennie.

Bedrucken:
Eine andere Möglichkeit, ein eher langweiliges (Kauf-) T-Shirt aufzuhübschen ist das Bedrucken oder Bestempeln mit Textilfarbe. Mit Schablonen lassen sich auch ganz tolle Ergebnisse erzielen: Für mein Pilz-T-Shirt hab ich die Motive aus Bucheinbandfolie ausgeschnitten, die Folie auf das T-Shirt geklebt und nach dem Ausmalen wieder abgezogen. Das funktioniert natürlich auch mit Freezer Paper.


Besticken/Benähen:
Kleine Motive könnte man auch aufsticken. Kleine Perlen (oder Knöpfe) lassen sich ebenfalls aufnähen. Oder, was mir auch sehr gut gefällt, wie wär es, ein an die Ausschnittform angepasstes Spitzendeckchen aufzunähen? Oder eine Spitzenborte oder andere Bänder?


Bestimmt gibt es noch unendlich viele andere Möglichkeiten, T-Shirts zu gestalten... Aber mein Artikel ist wohl schon lang genug :-) ... Wer bis jetzt durchgehalten hat, den schicke ich weiter, um nachzulesen, welche anderen Beiträge es bei der Basics-Aktion gibt!

Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank für Deinen Beitrag! Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich die Überlegungen ausfallen - so unterschiedlich wie der individuelle Kleidungsstil selbst. Da ich selbst prinzipiell großer T-Shirt-Fan bin (und Deine Erfahrungen mit gemustertem Jersey teile), weiß ich genau, in welcher Gedanken-Ecke ich Deinen Post speichere. Deine Ideen sind schlicht, aber wirkungsvoll, vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Catrin

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  2. Ich oute mich auch mal: Shirt-Fan! Jawoll!

    Bisher habe ich beim Shirt-Nähen noch nicht allzu viele Erfolge verbucht. Dein Beitrag ist allerdings inspirierend. Am liebsten würde ich sofort einen Jersey aus dem Stofffach ziehen und loslegen …

    Dir viel Spaß beim Umkrempeln deiner Garderobe! Ich bin schon gespannt, was alles entsteht :.)

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  3. Super, wieder eine ganz andere Facette zum Thema Basics... so genau hab ich mir zum Thema Shirts noch nie Gedanken gemacht... hätte ich mal tun sollen. Hätte mir sicherlich viel Grauen vor dem Spiegel erspart...

    Danke
    Alles Liebe
    Die Pitti

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  4. Huhu Steffi,
    also erstmal finde ich, du nähst Sachen die durchaus alltagstauglich sind (weil nicht aufgerüscht bis ins Hundertste.
    Deine Gedanken dazu sind auch viel wert. Die Vorstellung des Shirts mit Zierknöpfchen ist super und der Dawandashop wäre auch (zum Teil) mein Geschmack. Aber mir fällt momentan auch echt mein Figürchen aus dem Rahmen, besser gesagt meine Figur. Du hast ja eher eine "mir steht alles Figur" und ich finde da kann man durchaus auch mal etwas ungewöhnliche Kleider usw. tragen.
    Ich mag mich momentan so gar nicht sehen, deshalb ist für mich Basic Leggings, Rock und Shirt. Da drin fühle ich mich wohl und obwohl ich gern anderes ausprobieren würde (der Paspelrock von den buttermilks z.b. ist echt toll, aber mit reingestecktem Oberteil sehe ich aus wie ein Luftballon ;-)), bleibt es beim geht-so-Look, der dann auch wenig kreativ ist...

    Lange Rede kurzer Sinn: ich denke dir würde so ziemlich alles stehen und ich glaube du kannst durchaus noch mutiger sein, zumal du ein gutes Gespür für Design hast. Was ich nämlich nicht mag, sind über"pimpte" Sachen, das hat für mich dann auch nichts mehr mit Basic zu tun. Ich möchte auch nicht, dass alle meine Kinder anstarren, weil sie quietschbunt mit tausend Stickdateien auf einem Shirt rumlaufen ;-) Manche Stoffe sprechen da doch für sich und das Angebot ist mittlerweile so vielfältig, dass sich gute Effekte durch Kleinigkeiten erzielen lassen.

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  5. Noch ein T-Shirt-Fan hier! :)

    Danke für die ausführliche Auflistung an Designvariationen für T-Shirts. Ich werde grundsätzlich ca. 7 Jahre jünger geschätzt als ich bin (was mich dann deutlich unter die Grenze der Volljährigkeit katapultiert) und muss daher auch enorm aufpassen, was bunte Stoffe, Applikationen und anderen Tüddelüt angeht. Ich trage meine Shirts allerdings am Liebsten mit Röcken - das finde ich für meine "athletischen" Oberschenkel vorteilhafter als körpernahe Jeans.

    Liebe Grüße,
    Sinje

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  6. Hallo,
    das ist echt ein super Beitrag. Vielen
    Dank für die Idee mit der Raffung. Habe schon nach einer Möglichkeit gesucht.
    Liebe Grüße
    Anna

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  7. Hallo Steffi,

    herzlichen Dank dass Du mitgemacht hast, trotz Deiner knapp bemessenen Zeit...
    Vielen Dank auch für die tollen Beispiele, was es alles für Shirt-Möglichkeiten gibt, denn die gehen seltsamerweise bei mir doch oft in die Hose und ich gehe welche kaufen (teils aber auch aus Zeitmangel).

    Das kenne ich irgendwo her. Man mag sich schön anziehen, aber es muss auch praktisch sein, gerade mit einem Stillkind - ach, da wünsche ich mir auch, dass ich mehr gute Kompromisse finde...
    VLG
    Tessa

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  8. Was für ein toller Bericht... da steckt schon wieder so viel Inspiration drin, dass ich gleich ein paar Basics nähen will

    Danke!

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  9. Ganz lieben Dank für die ganzen Anregungen zum Thema T-Shirts!! Ich habe mir bisher nur einen Schnitt von einem Basic-Shirt, was gut passt, abgenommen und die Ärmel am Hauptteil "drangelassen", also keine extra Ärmel angenäht. Jetzt habe ich aber tatsächlich Lust bekommen, mal was Vernünftiges auszuprobieren. Die Tipps zur Schnittveränderung sind dafür super!!

    Lieben Dank und viel Spaß beim Basicsnähen,
    Steffi

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  10. Schön, dass Du noch einmal Dein Pilz-Shirt verlinkt hast, das hatte ich schon damals ausgiebig bewundert. Durch Deine Ausführungen habe ich Lust bekommen, noch viel mehr und ganz unterschiedliche T-Shirts zu nähen!
    Wäre das nicht auch einmal eine schöne Aktion? "Fünfzig T-Shirts" oder so?

    Viele herzliche Grüße!
    Mond

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  11. Wow, du hast dir echt viele tolle Gedanken zum Thema T-Shirt gemacht. Da werde ich bestimmt mal darauf zurückgreifen, wenn das Thema T-Shirt nähen bei mir ansteht.
    Vielen Dank fürs erzählen :)
    Viele liebe Grüße, Goldengelchen

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  12. schön beschrieben und aufbereitet. in vielen punkten, finde ich mich wieder. seltsamerweise sitze ich gerade in den startlöchern zum nähen ;) und denke seit einiger zeit über eine »kollektion« nach. dinge, die man untereinander kombinieren kann, die tragbar sind ohne langweilig oder zu funktional zu wirken.

    angenehm gemusterte jerseystoffe zu finden, erscheint mir wirklich sehr schwer. ist schon auffällig, dass es für kinder eine üppige auswahl an gemusterten stoffen gibt, dann kommt lange nichts und beginnt igendwann wieder mit omamustern.

    liebe grüße . tabea

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  13. Liebe Steffi, schöne Überlegungen und Inspirationen hast Du zusammen getragen... Mir juckt es gleich in den Fingern und ich sehne mir ein Overlockmaschinchen herbei... Ich finde es sehr spannend zu sehen, wie ähnlich manche "Probleme" mitunter gelagert sind, wie unterschiedlich die Beiträge aber geworden sind. Eine schöne Fundgrube... Herzliche Grüße, Marja

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  14. Wohow! Was für ein Post.
    Ich bin ja selbst eher praktisch (und auch sparsam ; ) veranlagt und meine Kleidungsstücke sind oft extrem basic. Dazu gibt es sorgfältig eingeplante bunte Teile und einiges an Ohrringen (die ich zZt nicht tragen kann, weil der Lütte die unwiderstehlich findet) und Schals und Tücher en Masse. Ich finde es persönlich sehr angenehm, Platz im Kleiderschrank zu haben und bin nach langen Jahren mit dieser Vorgehensweise auch überzeugt davon, dass es so sehr viel einfacher und schneller geht sich was nettes zusammenzusuchen. Nervig kann es sein, wenn ich eine Vision von dem perfekten Teil zur Ergänzung meiner Garderobe und es ist un-auf-findbar (aktuell haben wir hier eine Sneaker-Krise).
    Grüß Dich lieb
    Nike
    Ps: Pappen sind wie bunte Papierchen, weißte ; ))

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  15. Hallo Steffi!
    Ich finde eure Aktion wirklich interessant, geht es mir ja auch so mit den selbstgenähten Sachen. Deine Aufführungen zu den verschiedenen T-Shirts finde ich super und erleichtert mir das Planen für Zukünftiges. Total motivierend, was du/ihr macht!
    Ich hoff, euch geht's gut und würde mich freuen, wenn du mal wieder Zeit für ein Treffen/ einen Spaziergang hast ;) lg Julia

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  16. Du hast Dir ja wirklich viele gedanken gemacht und diese sehr sehr gut zusammengefasst! Toller beitrag!

    lg von daxi

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  17. Ein super Beitrag! Nach deinem Post brauch ich unbedingt neue Shirts *grins*

    Die Bonnie-und Buttermilk-Sachen mag ich ja auch sehr. Da gibt es so einen Apfelhoodie *schwärm*

    Ich finde es ja immer toll, dass du auch zeigst wie man Basisschnitte einfach abändern kann. Das Pilzshirt kannte ich noch gar nicht. Wow.

    Da bin ich ja gespannt...

    Liebe Grüße,
    Steffi

    PS: Ich versuch mich erstmal an einem Cardigan aus Jersey. Es gibt aber auch Feinstrick als Meterware zu kaufen ;)

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  18. Das ist aber ein ganz toller liebevoller Post, der es wert ist, in jeder AnleitungsBibliothek zu stehen!!!
    Super, danke LG Britta

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Schön, dass Du mir etwas sagen willst! Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar!