Montag, 10. März 2014

Über den Inhalt meines Wunsch-Kleiderschranks. Und übers Selbernähen.

Ich kann mich nicht beklagen. 
Ich habe genug anzuziehen. 
Das heißt, ich habe für die allermeisten Gelegenheiten, in die ich normalerweise so gerate, irgendwelche angemessenen Kleidungsstücke. Aber viele meiner Kleidungsstücke trage ich, weil ich sie eben habe, nicht, weil ich sie hundertprozentig wundervoll finde. Ob dieser Zustand je erreichbar ist, ist wohl zu bezweifeln, aber ihm möglichst nahe zu kommen, wäre doch schon was. Natürlich, es gibt wichtigeres im Leben als die Garderobe, aber es ist eben auch nicht unwahr, dass die Kleidung, die ich trage, sich durchaus auf das Selbst(wert)gefühl und die Art, wie andere und ich mich wahrnehmen, auswirkt.
Es kann also nicht schaden, sich Gedanken über das Thema zu machen (oder den Versuch zu starten, meine wirren Gedanken ein bisschen zu ordnen). Ich freu mich also sehr, dass Tessa die Thematik aufgegriffen hat - hier sammelt sie ab heute Beiträge zum Thema.
Ein Blick auf den Ist-Zustand...

Lange hab ich versucht, meinen Stil zu definieren bzw. mich für einen Stil zu entscheiden. Inzwischen denke ich, dass das (für mich) nicht klappt; es gibt eben durchaus unterschiedliche Situationen in meinem Leben, und da bin ich auch unterschiedlich gekleidet.
Trotzdem gibt es natürlich ein paar Konstanten: Allzu elegant ist nichts für mich, ich mag es durchaus bequem und praktisch. Schuhe mit Absatz hab ich noch nie besessen und in einem Blazer - oder gar einem Kostüm oder Hosenanzug! - würde ich mich verkleidet fühlen. Da bin ich doch mehr der Turnschuh-Typ, was aber nicht heißen soll, dass ich mich nicht auch in Kleidern und Röcken sehr wohl fühlen würde - nur brauch ich eben auch dort nicht hundert Rüschen und Schleifen und Glitzerapplikationen ;-)

Mein Wunschkleiderschrank, der wäre voll mit Kleidungsstücken, die (in unspezifischer Reihenfolge)
  • mir natürlich gut passen und mir gut stehen
  • nicht langweilig sind, aber dennoch nicht laut "Seht mich an, ich möchte auffallen!" schreien
  • durch kleine und feine Details bestechen, die möglicherweise erst auf den zweiten Blick oder sogar für Außenstehende gar nicht sichtbar sind (zum Beispiel bei einem tollen Futterstoff)
  • aus ethisch und ökologisch vertretbaren Materialien sind bzw. so hergestellt wurden
  • alle gut untereinander zu kombinieren und in vielen verschiedenen Situationen einsetzbar sind

Und wie komm ich jetzt dahin? Oder wenigstens in diese Richtung?

Wenn es um die Kombinierbarkeit der Kleidungsstücke geht, ist es wohl wichtig, auf ein ausgewogenes Verhältnis von gemusterten und nicht-gemusterten Teilen zu achten. Wenn man innerhalb einer gewissen Farbpalette bleibt, sollte das Kombinieren der einzelnen Stücke auch besser funktionieren.
Ich mag es auch, wenn ich ein Kleidungsstück das ganze Jahr über tragen kann, zum Beispiel ein Kleid, das ich im Sommer "pur" anziehen kann, wenn es kühler ist, aber mit mit Strickjacke und Strumpfhose. Ein paar "neutrale" Strickjacken (oder Pullover), die farblich zu den meisten anderen Teilen meiner Garderobe passen, finde ich generell sehr praktisch. Auch eine eher neutrale (in meinem Fall ist das meist dunkelblau oder schwarz) Hose oder ein solcher Rock kommt bei mir garantiert immer wieder zum Einsatz.
Auch durch Accessoires wie (Loop)schals, Gürtel, farbige Strumpfhosen usw. (bestimmt auch Schmuck, aber das ist etwas, das ich selbst so gut wie nie trage) kann ein und dasselbe Outfit sehr unterschiedlich wirken. 
Es fällt mir aber schwer, hier jetzt ein "Rezept" aufzuschreiben : "Du brauchst 2 Hosen und 2 Röcke und 5 Langarmshirts".... oder so ähnlich... Das lässt sich wohl nicht so leicht festlegen, außerdem wird das bei jeder von uns wieder anders sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, vor jedem neuen Teil, das in den Kleiderschrank wandert, ob nun gekauft oder selbst genäht (dann bezieht sich das eigentlich auch auf den Stoffkauf und den Stoffschrank...), wirklich genau zu überlegen, ob es tatsächlich gebraucht wird, zu welchen Gelegenheiten es getragen werden könnte, ob es zur restlichen Garderobe passt.
Dabei drängt sich mir immer wieder die Frage auf:

Wieviele Kleidungsstücke brauche ich eigentlich?

Und welche sollen das dann sein?

Während der letzten Wochen meiner Schwangerschaften bin ich zum Beispiel mit wirklich wenigen Sachen (tw. nur noch das, was ich anhatte und das, was gerade in der Wäsche war) ausgekommen. Das ging auch - aber ehrlich gesagt, Spaß hat es mir nicht mehr gemacht. Ich denke also, ja, mit Weniger auskommen ist nicht so schlecht, aber ganz so wenig soll es dann - für mein persönliches Wohlbefinden - auch nicht sein.
Schließlich darf das alles doch auch Spaß machen, oder? Ich denke, so gut wie alle von uns haben mehr Kleidungsstücke, als wir wirklich brauchen würden, um nicht zu frieren oder nackt herumlaufen zu müssen - wir sind also, würde ich sagen, ohnehin längst in einem Bereich angelangt, den man vielleicht einen "alltäglichen Luxus" nennen könnte. Ich finde es auch in Ordnung, wenn man sich ein T-Shirt (ein Kleid, eine Hose...) auch mal nur deshalb näht/kauft, weil die Farbe so schön oder der Stoff so toll ist. Aber insgesamt lohnt es sich, denke ich, doch, ein bisschen reflektierter und ein bisschen mehr nach Plan vorzugehen.

Ich finde absolut nichts Verwerfliches daran, Kleidung zu kaufen, aber es ergibt sich irgendwie von selbst, dass ich viele meiner Kleidungsstücke inzwischen selbst nähe. Das mache ich hauptsächlich, weil ich es einfach sehr sehr gerne tue, es hat aber unbestreitbar auch andere Vorteile. Ich bin - theoretisch, denn beeinflusst wird man ja doch - unabhängig von irgendwelchen aktuellen Moden oder Trends, ich kann Farben, Stoffe, Schnitte selber wählen, ich weiß, unter welchen Bedingungen das Kleidungsstück hergestellt wurde (natürlich bleibt da aber die Frage, wo denn die Stoffe herkommen - aber ich hoffe zumindest, nichts gänzlich falsch zu machen, wenn ich möglichst oft GOTS-standardisierte Bio-Stoffe verwende...), und ich kann meine Kleidung, immer mal vorausgesetzt, ich beherrsche die Technik ;-), meiner Figur anpassen und muss so nicht irgendwelchen standardisierten Normen entsprechen.
Das klingt jetzt alles nur wunderbar, und am liebsten möchte ich gleich loslegen und einen Stoff anschneiden.
Aber genau da liegt auch die "Gefahr". Umso unbegrenzter die Möglichkeiten, desto schwieriger wird es, vor lauter schönen Stoffen, Farben, Mustern und Schnitten, kluge Entscheidungen zu treffen und auch das zu nähen, das ich wirklich brauche. Natürlich kann ich mir das x-te T-Shirt nähen, weil ich es eben kann und weil ich einen schönen Stoff gefunden habe, natürlich kann ich mir auch ein festliches Kleid nähen, auch wenn ich es vielleicht nur ein einziges Mal (oder sogar niemals?) anziehe. Oder ich kann einen Schnitt nachnähen, der gerade durch alle möglichen Nähblogs zieht, nur, weil ich so schöne Beispiele gesehen habe und ich das ja eigentlich auch kann und mir auch noch eine tolle Variante einfällt...

Aber: Ich möchte nicht einfach nur ins Blaue hinein produzieren, auch nicht nur um des Nähen selbst willen oder um der Übung oder der Freude an schönen Stoffen.

Genau dieses Reflektieren über ein Kleidungsstück ist aber etwas, das bei mir durch das Selbernähen viel stärker geworden ist.
Gekauft ist ein neues Teil schnell, wenn ich es selber nähe, dauert es aber viel länger, bis ich es in Händen halten bzw. anziehen kann. Ich denke schon vor dem Nähen darüber nach, wie mein Kleidungsstück aussehen soll, ich mache vielleicht Skizzen oder Entwürfe, ich sehe mir verschiedene Stoffe und Schnitte an (oder mache einen Schnitt vielleicht selber), denke über verschiedene Nähtechniken nach oder probiere sie erst einmal aus und lerne fast immer irgendetwas dazu. Über viele kleine Arbeitsschritte taste ich mich zu einem Endergebnis hin. In der Zwischenzeit habe ich immer wieder die Möglichkeit, doch noch umzudisponieren oder spontan etwas zu ändern. Außerdem kommt eine "sinnliche" Komponente dazu, die ich einfach nicht mehr missen möchte. Ich fühle den Stoff, seine Weichheit oder Festigkeit, seine Struktur, ich erfreue mich an Farben und Mustern und einfach daran, wie sich Stück für Stück etwas zusammenfügt. Ich nehme mir die Zeit, das für mich zu tun, mir etwas zu nähen, das so nur ich habe. Das fühlt sich doch gut und besonders an, oder? (Und auch wenn ich für andere nähe, für meine Kinder zum Beispiel, dann fließt dabei einfach sehr viel Liebe mit ein...)
Einen kleinen Nachteil hat das Selbernähen aber wohl auch: Nämlich, dass eben erst dieser ganze Prozess hinter mir liegen muss, bevor ich ein Kleidungsstück anziehen kann. Und vielleicht merke ich erst dann, dass mir der Schnitt eigentlich nicht steht oder die Passform nicht stimmt. Wenn ich im Geschäft etwas anprobiere, merke ich das schneller und kaufe das Teil (hoffentlich) erst gar nicht. So hab ich es aber schon fertig genäht und kann vieles im Nachhinein nicht mehr ändern. Wenn ich mir meine "Schrankleichen" der letzten Zeit so ansehe, sind das jedenfalls meist selbstgenähte Sachen, bei denen die Passform nicht optimal stimmt (Fehlgriffe bezüglich Stoff- oder Farbwahl mache ich nicht mehr ganz so oft...). Ich denke aber, dass man da wohl mit der Erfahrung lernt und mit der Zeit vielleicht auch schon im Vorhinein erkennen kann, welche Schnitte für die eigene Figur nicht so passend sind bzw. wie man sie vielleicht anpassen kann. Naja, vielleicht lern ich's ja noch :-)

Wegen schlechter Passform aussortiert und dem Upcycling zugedacht

So, aber ich bin ich dann wohl etwas abgeschweift.... :-)

Wieder zurück zum Inhalt meines Kleiderschrankes, den ich in der nächsten Zeit noch einmal ganz genau überdenken möchte.
Für mich heißt das, dass ich erst einmal damit begonnen habe, meinen Kleiderbestand ganz genau durchzusehen und alles, was nicht passt und gefällt, wegzugeben/zu verschenken/zu spenden. Zugegebenermaßen ist auch ein beträchtlicher Teil in mein "Da kann ich vielleicht noch was anderes daraus nähen-Upcycling-Fach" gewandert, aber ich habe mir vorgenommen, einerseits aus diesen Sachen tatsächlich etwas zu nähen (meist wohl für meine Kinder), und andererseits auch dieses Fach von Zeit zu Zeit immer mal durchzusehen und erneut auszumisten. Überhaupt ist es wohl nicht schlecht, solche Ausmist-Aktionen relativ regelmäßig zu machen. Bei mir zumindest kommt ja doch immer wieder mal etwas Neues nach, da sollte dann womöglich etwas Anderes dafür weichen...

Auf jeden Fall wird mich dieses Thema noch länger beschäftigen - es gibt ja noch so viele weitere Aspekte, die ich momentan gar nicht alle ausführen kann und will. Ich nehme mir - inspiriert eben von Tessa - jedenfalls vor, in der nächsten Zeit noch öfter darüber zu schreiben.
Bei allen, die so tapfer waren, bis hierher zu lesen, bedanke ich mich schon mal :-). Ich bin sehr gespannt auf Eure Meinungen und verweise zum Schluss noch mal auf Tessas Linksammlung. Spätestens heute Abend werde ich mich durch die anderen Beiträge lesen, da freu ich mich schon drauf!