Montag, 26. Mai 2014

Japan-Sew-Along, Teil3

Schon wieder ist eine Woche vergangen, und es geht weiter beim Japan-Sew-Along auf dem Tanoshii-Blog. Catrin organisiert die tolle Aktion - Danke dafür!

Thema heute:
Die Schnitte sind fertig – Anpassungen bereits geplant? Sind die Stoffe schon da, habt Ihr Euch schon festgelegt? Ist ein Probeteil nötig, oder seid Ihr mutig und schneidet direkt an?

Also, da meine Liste ja ein bisschen länger ist, werde ich die Fragen jetzt nicht für jedes einzelne geplante Kleidungsstück beantworten, aber, so viel sei verraten, ich bin schon mitten im Werkeln.
So ist auch ein Kleid bereits fertig geworden - es ist das Modell C aus "Kleider, Tops und Hosen" von Yoshiko Tsukiori.

modellC1

Ein Probekleid hab ich in dem Fall nicht genäht - allerdings neige ich doch bei einigen meiner Wunschmodelle dazu. Das werde ich von Fall zu Fall entscheiden, es hängt einerseits davon ab, wie schade es um den Stoff wäre ;-), andererseits vom Modell selbst, also davon, wie sehr ich die Passform von vornherein abschätzen kann bzw. ob ich ein ähnliches Modell, mit dem ich vergleichen kann, schon einmal genäht habe.

Aber zurück zu meinem Kleid, dem "Modell C". Genäht hab ich es aus schön weichem, recht gut fallendem dunkelblauem Leinen; womöglich ist es auch eine Leinenmischung, keine Ahnung, der Stoff liegt schon länger bei mir. (Ich habe daraus auch schon einen Rock genäht und es hat sich herausgestellt, dass der Stoff nach mehrmaligem Waschen immer weicher wird und einen leichten "Used Look" annimmt, was mir gut gefällt.)

Ein paar Änderungen habe ich am Schnitt vorgenommen, hauptsächlich habe ich - schon von der kleinsten Größe ausgehend - Weite weggenommen.
Ich versuche jetzt mal, zu erklären, was ich gemacht habe - dabei kann ich aber nicht garantieren, dass meine Methode immer funktioniert, es ist eben nur meine Herangehensweise...

Ich habe mir schon letztes Jahr mit meinen eigenen Maßen einen Grundschnitt für ein Webware-Oberteil (körpernah, aber nicht hauteng) gebastelt - geholfen hat mir dabei dieses Buch. (Man könnte natürlich auch irgendeinen nicht selbstgemachten, gut passenden Schnitt verwenden.)
Diesen Grundschnitt lege ich vor dem Zuschneiden auf die vorerst ohne Änderungen abgepausten Schnittteile; so kann ich gleich sehen, ob es irgendwo markante Unterschiede gibt.
Meine "Problemzonen" sind dabei meist die Schulterbreite und die Brustweite.
In diesem Fall, bei den angeschnittenen Ärmeln gibt es bei der Schulterbreite kein Problem, aber meistens muss ich die Schulternähte etwas verschmälern, weil sonst der Ärmelansatz (auch bei Modellen, wo das nicht so sein soll) irgendwo auf der oberen Hälfte des Oberarms landet.
Da ich nur wenig Oberweite habe, ist die Brustweite meist zu groß. Das Problem dabei ist, dass der Ausschnitt dann oft absteht und "Luftblasen" wirft. Um das zu vermeiden, muss ich darauf achten, dass der Abstand zwischen den Schultern - die Ausschnittweite eben, v.a. vorne, aber auch hinten - nicht zu groß ist.

schnitt
  Es gibt leider kein besseres als dieses zu spätnächtlicher Stunde aufgenommene Foto, aber die roten Linien sollen markieren, wo ich etwas weggenommen habe...

Am Foto oben sieht man, dass das Vorderteil (mit geschlossenen (!) Falten - ich habe das Schnitt-Papier einfach entsprechend der Markierungen gefaltet, damit ich die tatsächliche Weite des Ausschnitts beim fertig genähten Kleid beurteilen kann) etwas breiter als mein Grundschnitt ist. Diese zusätzliche Weite (ca, 1,5 cm) habe ich entfernt - normalerweise geht das am leichtesten, indem man einfach die vordere Mitte versetzt, aber in diesem Fall hätte ich dann schon die Falten zerstört. Also hab ich die 1,5 cm hinter den Falten aber vor (!) Schulterbeginn weggenommen - die Skizze sollte es verdeutlichen (hoffe ich). Dadurch musste ich auch die Rundung des Ausschnitts ein bisschen anpassen.
Bei meinem fertigen Kleid liegt der Ausschnitt jetzt aber schön an und steht nicht ab.

Außerdem habe ich beim Vorderteil die Tiefe der Falten reduziert, und zwar um die Hälfte. So hat das Kleid insgesamt weniger Weite, die Falten bleiben als hübsches Detail aber trotzdem erhalten.

Das Rückenteil war, wie man am Foto erkennt, auch weiter als mein Grundschnitt. Bei der Seitennaht hab ich das so gelassen, es macht ja nichts, wenn das Kleid etwas weiter wird. Bei der Hinteren Mitte hab ich aber 2,5 cm entfernt - ansonsten wäre der Ausschnitt am Rücken nicht angelegen.

Die Ärmel habe ich am fast fertigen Kleid dann noch von der Schulter bis zum Armausschnitt schräg verlaufend ca. 2cm gekürzt, sonst wären sie etwas komisch abgestanden (siehe Skizze).

Die Gesamtlänge des Kleid hab ich wie im Original zugeschnitten - passt mir bei einer Größe von 1,64m sehr gut - und auch bei den Taschen hab ich nichts verändert. 

modellC2
   
Hier seht ihr die Passform des Kleides nach den Änderungen. Von vorne gefällt es mir gut, von hinten auch, aber von der Seite.... hm... sagen wir mal so: Sollte ich je wieder ein Umstandskleid brauchen, ich hätte dann schon eines.... ;-)
Vielleicht liegt es auch an meiner Haltung (Hohlkreuz - kommt vom Kinderschleppen), dass das Kleid so irgendwie unvorteilhaft aussieht, oder aber es ist reine Gewohnheitssache - wie auch immer, ganz zufrieden war ich nicht.

Glücklicherweise hatte ich noch genügend Stoff übrig, um mir einen Gürtel zu nähen.

ModellC5

Ich habe mal probiert, den Gürtel unterhalb der Brust zu binden - sieht von vorne schön aus (Fast ein bisschen elegant, oder? - Es rutscht aber ziemlich leicht.), auch von hinten finde ich es ok, aber von der Seite.... immer noch vierter oder fünfter Monat....

Aber, wenn ich den Gürtel etwas weiter unten binde, auf Taillenhöhe...

modellC4

... gefällt mir das Ganze viel viel besser!


Auf die Art hab ich das Kleid schon getragen, und so fühle ich mich wirklich wohl darin! ich glaube, das wird ein Lieblings-Sommerkleid!
Natürlich verrutscht der Gürtel bei Bewegungen, außerdem macht das Kleid hier eine Falte und dort, das Leinen knittert sowieso, aber das stört mich nicht, es soll ja ein "Freizeit"-Kleid sein.


modellC3

Unter das Kleid passen, finde ich, sehr gut Leggins. Eigentlich wähle ich da gerne Exemplare in Grau oder einem anderen neutralen Farbton, es hat mich aber gereizt, es mal mit etwas "Bunterem" zu versuchen. Also hab ich Ringel-Leggins (der Stoff ist wunderschön dunkelrot mit erbsengrünen Streifen - es handelt sich um diesen hier) genäht. (Der Leggins-Schnitt ist aus eine Kinder-Ottobre, Gr. 158.) Und nun - weiß ich nicht so recht... irgendwie fühlt es sich ein bisschen nach "Clownhose" an, irgendwie gefällt es mir auch gut! ... Was meint ihr?

So, jetzt mach ich aber mal Schluss und freue mich, die Beiträge der anderen Teilnehmerinnen (heute Abend) zu lesen!

P.S.: Weil einige das letzte Mal mehr zu den Änderungen an meiner Bluse wissen wollten: Da der Post heute schon so lang geworden ist, erkläre ich das ein anderes Mal; im Grunde bin ich aber ähnlich wie beim Kleid von heute vorgegangen...