Montag, 16. Februar 2015

Japan-Sew-Along: Blumenfreude

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Schon wieder Zeit für ein Treffen beim Japan-Sew-Along! Ich bin schon gespannt, was die anderen heute zeigen!

Bei mir gibt's heute eine Tunika zu sehen. Dafür hab ich zum ersten Mal eine Stoffart namens "Double Gauze" vernäht.
Double Gauze wird in vielen japanischen Nähbüchern immer wieder genannt, und auch sonst ist mir der Begriff schon ein paar Mal begegnet. Mir war auch bewusst, dass es sich dabei um einen zweilagigen Stoff handelt, dessen Lagen punktuell miteinander verbunden sind. Wie sich das Ganze tatsächlich anfühlt, konnte ich mir aber nicht vorstellen.
Von dem wunderschönen Design "Joy Flower" (von Nani Iro) war ich aber so hingerissen, dass ich eine Bestellung wagen musste. Nach einigem Hin und Her, was man denn daraus am besten nähen könnte und welche Art Schnitt sich am ehesten eignen könnte (Danke für die Ratschläge, Catrin!), hab ich mich dann entschlossen, daraus eine kurzärmelige Tunika zu nähen:

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Der Schnitt - oder das, was davon übrig geblieben ist ;-) - stammt aus dem Buch "Kleider, Tops und Hosen", es handelt sich um das Modell V.
Dabei habe ich
  • das Kleid auf Tunikalänge gekürzt
  • die Kräuselungen rausgenommen, indem ich den Schnitt in der Weite reduziert habe. Dafür hab ich das Schnittmuster mit meinem Grundschnitt (nach meinen Maßen) verglichen und entsprechend geändert. Meine Beratschlagungen mit Catrin hatten nämlich u.a. ergeben, dass Double Gauze kombiniert mit vielen Kräuselungen nicht so vorteilhaft bzw. figurschmeichelnd aussehen könnte. Natürlich hätte ich auch gleich einen anderen Schnitt verwenden können, aber mir haben der Schlitz am Ausschnitt und die Taschen so gut gefallen, und außerdem wär's ja sonst nicht kompliziert genug gewesen...
Eigentlich gefällt mir die Tunika ganz gut, aber so hundertprozentig zufrieden bin ich nicht. (Trotzdem hab ich sie schon recht oft getragen ;-)...)
Dabei kann ich gar nicht sagen, was mich stört. Die Länge und die leichte A-Form gefallen mir sehr gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Ärmeln (die sind am Ärmelsaum dann doch leicht eingekräuselt) an mir so vorteilhaft aussehen, ich finde sie irgendwie zu "wuchtig". Sollte ich sie noch kürzen?
Außerdem hab ich das Gefühl, dass Farbe (ein doch - jedenfalls für meine Verhältnisse - recht leuchtendes Petrol) und Muster für mich irgendwie zu viel sind. In sich ist das Muster wunderbar zart und fein, aber die Blumenkränze sind doch recht groß und eigentlich ist das ja dann, auf die Entfernung gesehen, ein großgemusterter Stoff - und ich bin eindeutig der Typ für Kleingemustertes.
Allerdings kommt ja bald der Frühling und da mag ein blumiger Farbklecks nicht schaden - außerdem lässt sich die Tunika durch eine darüber getragene, einfarbige Strickjacke (da hab ich jetzt leider kein Foto) ganz gut "abmildern". (Mein Mann meint übrigens: "Endlich mal was Farbenfrohes!")

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Vielleicht interessant für Euch sind meine Erfahrungen mit Double Gauze:

- Der Stoff ist sehr weich und leicht, trotzdem ist er nicht fließend wie Seide, auch nicht flatterig-leicht wie zum Beispiel Voile.
- Eher ist der Stoff anschmiegsam - das heißt, er ist sehr gemütlich beim Tragen, hüllt den Körper schön ein; er "klebt" nicht direkt, Röcke oder Kleider aus Double Gauze müsste man aber unbedingt füttern!
- Double Gauze eignet sich sehr gut für Blusen, Hemden und Tuniken, die ohne allzu viele Kräuselungen auskommen. Auch zu Schals oder Loops lässt sich Double Gauze bestimmt wunderbar verarbeiten.
- Der Stoff franst sehr schnell aus - es empfiehlt sich, mit ausreichend breiten Nahtzugaben zuzuschneiden und die Nähte ordentlich zu versäubern.


Beim letzten Mal hatte ich von meinen Plänen berichtet, das "Kleid mit 3/4-Ärmeln und tiefer Taille" zu nähen. Tatsächlich hab ich mir Zeit freigeschaufelt und schon damit angefangen - bin jetzt aber auf halber Strecke gar nicht mehr soo überzeugt.

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Hier Fotos vom unfertigen Kleid: Der Saum ist nur so irgendwie gesteckt und auch die Knopfleiste in der Seite noch nicht genäht.
Besonders in der Seiten-und Rückenansicht zeigt sich deutlich, dass da doch sehr viel Stoff ist, der irgendwie merkwürdig gebauscht an mir herunterhängt...

Zugeschnitten habe ich in Größe 7 und dabei gleich ca. 3 cm Weite (an Vorderer bzw. Hinterer Mitte und an der Ärmelmitte) am Oberteil weggenommen; nach der ersten Anprobe habe ich auch noch seitlich jeweils 2cm weggenommen. Das Kleid ist also sehr weit geschnitten - das ist Absicht, ich weiß, aber ich hätte einfach doppelt reingepasst und dafür ist mein Stoff - ein Probestoff, der aber durchaus auch "in echt" tragbar wäre, wenn das Kleid gelingen würde - nicht fließend genug und die Stoffmengen bauschen sich dann sehr unvorteilhaft auf Bauchhöhe bzw. am Rücken ...
Wie auch immer: Das Taillenband hatte ich zuerst auch in Größe 7 zugeschnitten und angenäht - und dann wieder abgetrennt, weil es doch sehr genau passt, sprich: Es liegt auf der Hüfte auf. Wenn ich mir das Foto im Buch so ansehe, sollte das Taillenband aber lockerer sitzen, ich habe es also in der nächsten Größe zugeschnitten - jetzt liegt es nicht mehr auf den Hüften auf, aber irgendwie hängt das ganze Kleid dadurch recht unmotiviert an mir herunter...
Außerdem ist mein Stoff, wenn auch eben nicht leicht und fließend genug, doch sehr dünn, sodass ich das Unterteil unbedingt füttern würde. Das wäre sicherlich möglich, aber ich frage mich momentan wirklich, ob ich mir die Mühe antun soll.. Eigentlich und irgendwie gefällt mir das Kleid ja schon, auf den Fotos sogar besser als im Spiegelbild, aber andererseits hatte ich es mir irgendwie besser vorgestellt. Ich weiß nicht, ob ich mich so richtig wohl darin fühle.

Bestimmt würde der Schnitt mit einem anderen, noch fließenderen Stoff besser gelingen, und ich könnte auch versuchen, die Weite am hinteren Oberteil noch zu reduzieren. Oder ich mache einfach zwei Stücke daraus - eine Bluse und einen Rock?
Ich lasse es jetzt wohl einfach mal eine Zeit lang unfertig liegen, vielleicht habe ich ja noch DIE Idee - oder eine von Euch: Ratschläge und Tipps sind sehr willkommen! :-)